San Sebastián de La Gomera an einem Dienstagmorgen: Die Fähre aus Los Cristianos hat gerade angelegt, ein paar Dutzend Menschen strömen die Rampe hinunter, und innerhalb von zehn Minuten ist der Hafen wieder ruhig. Wer von Teneriffa kommt, hat oft das Gefühl, in einer anderen Zeit zu landen. Kein Flughafen weit und breit, keine Hotelburgen, keine Promenade voller Bierlokale. Nur eine kleine Kanareninsel, die seit Jahren konsequent das Gegenteil von dem macht, was ihre große Nachbarin tut.

Genau darum dreht sich alles, was Sie über La Gomera wissen müssen: Die Insel ist kein Ort, den man „schnell mal mitnimmt". Sie ist ein Ziel, das man bewusst auswählt – und das seinen Charakter nur denen zeigt, die bereit sind, ein bisschen Umweg in Kauf zu nehmen. Ich habe das beim ersten Besuch völlig unterschätzt und bin mit falschen Erwartungen angereist. Was daraus geworden ist, erzähle ich gleich.

Wichtige Erkenntnisse

  • La Gomera ist die zweitkleinste der Kanarischen Inseln – rund 370 km² und etwa 22.000 Einwohner.
  • Die Insel hat keinen kommerziellen Flughafen. Anreise erfolgt über Teneriffa (Fähre) oder La Palma.
  • Der Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay ist UNESCO-Welterbe und einzigartig in Europa.
  • Die Pfeifsprache El Silbo ist immaterielles Kulturerbe und wird heute noch in Schulen unterrichtet.
  • La Gomera ist günstiger als Teneriffa, aber kein Billigziel – vor allem Unterkünfte und Mietwagen kosten.

Was macht La Gomera so besonders?

Die kurze Antwort: Es ist die Insel, die sich der Moderne verweigert hat – und zwar nicht aus Nostalgie, sondern weil die Topografie ihr keine andere Wahl ließ. Steile Schluchten, sogenannte Barrancos, ziehen sich von den Gipfeln bis zur Küste, dazwischen Serpentinen, die selbst geübte Fahrer ins Schwitzen bringen. Wer hier eine Autobahn bauen wollte, hätte schlicht verloren.

Der Lorbeerwald von Garajonay

Rund 40 Quadratkilometer nehmen die Lorbeerwälder im Nationalpark Garajonay ein – ein Nebelwald, der auf einer Insel im Atlantik liegt und so aussieht, als wäre er aus einem Fantasy-Film entliehen. Der Grund für diese Kuriosität ist ein beständiger Passatwind, der Feuchtigkeit an die Hänge drückt und ein Klima erzeugt, das es sonst nirgends in Europa gibt. Man geht durch dichten, moosbewachsenen Wald, hört nur Tropfen und Vögel, und vergisst für einen Moment, dass zwei Stunden entfernt Tausende Touristen am Strand von Playa de las Américas liegen.

Ehrlich gesagt: Ich hatte vorher gedacht, ein „Nebelwald" wäre eine Marketingfloskel. Nach zwanzig Minuten auf dem Weg zum Alto de Garajonay war mir klar, dass ich falsch lag. Der höchste Punkt der Insel liegt auf 1.487 Metern – bei klarer Sicht reicht der Blick bis Teneriffa und an manchen Tagen sogar bis La Palma.

El Silbo: eine Sprache, die man hört, nicht spricht

Das zweite Alleinstellungsmerkmal ist El Silbo Gomero, eine Pfeifsprache, mit der sich die Bewohner früher über die tiefen Täler hinweg verständigten. Sie ist heute offiziell immaterielles UNESCO-Kulturerbe und wird an den Schulen der Insel unterrichtet – nicht als folkloristische Darbietung, sondern als eigenes Fach. Ich habe in Agulo eine Vorführung erlebt, bei der zwei Einheimische über eine Entfernung von mehreren Hundert Metern ein Gespräch führten. Es war beeindruckend und ein bisschen surreal zugleich.

Was ich dabei gelernt habe: El Silbo ist keine bloße Attraktion für Touristen. Es ist für viele Gomeros ein echtes Stück Identität – vergleichbar mit einem Dialekt, der nicht verschwinden soll.

Wird La Gomera direkt angeflogen?

Nein – und das ist der wichtigste Fakt für jede Reiseplanung. La Gomera verfügt über keinen kommerziellen Flughafen. Der kleine Aeródromo auf der Insel wird nur für Segelflug und Freizeitfliegerei genutzt, nicht für Linienverkehr. Wer mit dem Flugzeug anreist, landet zwangsläufig auf einer Nachbarinsel.

Wird La Gomera direkt angeflogen?

In der Praxis bedeutet das zwei Wege:

  • Über Teneriffa Süd (TFS): Mit Abstand die häufigste Variante. Vom Flughafen geht es mit dem Bus oder Mietwagen nach Los Cristianos, dann mit der Fähre nach San Sebastián. Die Überfahrt dauert je nach Fährtyp etwa 50 bis 70 Minuten.
  • Über La Palma: Deutlich seltener genutzt, aber möglich – vor allem für Reisende, die ohnehin einen Inselhüpfer planen.

Wie lange dauert die Anreise wirklich?

Rechnen Sie vom Verlassen des Flugzeugs bis zum Einchecken in der Unterkunft auf La Gomera mit drei bis fünf Stunden. Das klingt nach viel für eine Kanareninsel, ist aber realistisch: Flughafenwechsel, Fahrt zum Hafen, Wartezeit vor der Fähre, Überfahrt, Transfer. Ich habe einmal den Fehler gemacht, einen späten Nachmittagsflug zu buchen und stand dann in San Sebastián, ohne dass noch ein Bus in mein Bergdorf fuhr. Taxi ging – teuer war es trotzdem.

Wer es bequemer möchte, bucht eine Fähre mit früher Abfahrt und plant den Tag entspannt. Die Verbindung Los Cristianos–San Sebastián fährt mehrmals täglich, das gibt etwas Spielraum.

Wie kommt man auf die Insel La Gomera?

Die Fähre ist der Klassiker, doch es gibt mehr als eine Möglichkeit. Was am besten passt, hängt davon ab, wie viel Zeit und Gepäck Sie mitbringen.

Wie kommt man auf die Insel La Gomera?

Mit der Fähre über Los Cristianos

Zwei Reedereien bedienen die Strecke – eine schnelle Variante mit Schnellfähre und eine langsamere, dafür günstigere Autofähre. Für Fußgänger reicht die schnelle Verbindung in der Regel völlig aus. Autofahrer sollten früh buchen, denn in der Hauptsaison sind die Plätze begrenzt. Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Nehmen Sie sich die frühe Überfahrt, wenn Sie am Ankunftstag noch bis Valle Gran Rey oder Vallehermoso wollen – die Straßen sind eng und kurvig, im Dunkeln macht das keinen Spaß.

Mit der Fähre über La Palma

Eine Verbindung, die kaum jemand auf dem Radar hat: Von La Palma aus bestehen regelmäßige Fährverbindungen nach San Sebastián. Wer also ohnehin mehrere Kanareninseln kombinieren möchte, kann La Gomera elegant einbauen. Die Überfahrt dauert länger, ist aber landschaftlich reizvoll – vorausgesetzt, das Meer spielt mit.

Was Sie vor der Buchung wissen sollten

  • Fährtickets online kaufen und nicht erst am Hafen – vor allem im Sommer.
  • Seekrankheit ist auf der offenen Strecke bei Wind ein echtes Thema, nicht nur eine Floskel.
  • Ein Mietwagen auf Teneriffa ist meist günstiger als auf La Gomera selbst.

Ist es auf La Gomera teuer?

Teurer als das Festland, günstiger als Teneriffa oder Mallorca – so lässt es sich am ehesten einordnen. Die Insel lebt von begrenzten Ressourcen: Fast alles außer Bananen und etwas Gemüse wird per Schiff importiert, und das schlägt sich im Alltag nieder. Ich habe im Supermarkt von San Sebastián für einen Einkauf, der mir zu Hause rund 20 Euro kostet, etwa 28 Euro bezahlt.

Um Ihnen eine realistischer Rahmen zu geben, hier eine grobe Orientierung aus eigener Erfahrung:

PostenPreisniveau (Richtwert)Anmerkung
Doppelzimmer Mittelklasse80–130 € pro NachtDeutlich teurer in Valle Gran Rey zur Hochsaison
Ferry (Fußgänger, einfach)ca. 25–40 €Schnellfähre teurer als Langsamfähre
Mietwagen pro Tag45–70 €Auf der Insel teurer als auf Teneriffa
Menü im Restaurant12–20 €Fischgerichte meist etwas teurer

Wer self-catering macht und in einer Ferienwohnung wohnt, kann die Kosten spürbar drücken. Auffällig ist: Die Preise schwanken stark je nach Ort. In Agulo oder Hermigua zahlen Sie für eine Unterkunft oft deutlich weniger als in Valle Gran Rey, wo die touristische Infrastruktur am dichtesten ist.

Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps abseits der Listen

Die üblichen Empfehlungen – Garajonay, Valle Gran Rey, Mirador de Abrante – sind absolut berechtigt, aber mittlerweile gut besucht. Was ich Ihnen zusätzlich ans Herz lege:

  • Agulo: Ein Dorf, das wie für ein Bühnenbild gebaut wirkt, mit Blick auf Teneriffa und einem Kirchplatz, auf dem man stundenlang sitzen kann.
  • Die Thermalquellen von Alajeró: Kaum beworben, aber ein schöner Kontrast zum Wandern.
  • Der Aufstieg zum Roque de Agando: Ein Felsmonolith direkt an der Straße – fünf Minuten Fußweg, riesige Wirkung.
  • Playa de Santiago: Wenig spektakulär, aber ideal für einen ruhigen Nachmittag mit Fisch.

Und dann wäre da noch der Blick von der Ermita de la Virgen de Guadalupe oberhalb von San Sebastián. Ich war an einem Abend dort, als die letzte Fähre ablegte – und hatte das Gefühl, die Insel hätte für einen Moment die Luft angehalten.

Wann sollte man nach La Gomera reisen?

Das Klima ist ganzjährig mild, was die Insel zu einer Ganzjahresdestination macht. Der Frühling und der Herbst sind für Wanderer ideal: weniger Hitze, mehr Grün. Der Sommer bringt in den Küstenorten Temperaturen um die 26 Grad, während es in den Bergen oben angenehm kühl bleibt – ein Effekt, den ich beim ersten Besuch völlig unterschätzt habe. Ich bin im Juli mit kurzer Hose gestartet und oben im Nebel fast erfroren.

Wer Ruhe sucht, sollte die spanischen Ferienzeiten im August meiden. Dann kommen die Festland-Spanier und die Fähren füllen sich.

Was bleibt

La Gomera ist eine Insel, die sich nicht aufdrängt. Sie zeigt ihre Schönheit erst, wenn man anhält – an einem Aussichtspunkt, in einem Dorf, auf einem Wanderweg, der plötzlich im Lorbeerwald verschwindet. Und vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum so viele Menschen nach dem ersten Besuch wiederkommen: Die Insel fordert eine Entscheidung. Entweder man lässt sich auf ihr Tempo ein. Oder man bleibt auf der Durchreise.

Wer nach den ersten Tagen versteht, dass die fehlende Autobahn, der fehlende Flughafen und die engen Serpentinen keine Mängel sind, sondern das eigentliche Geschenk – der wird nicht mehr wegwollen. Ich zumindest habe beim letzten Mal schon im Hafen von San Sebastián die Rückfähre umgebucht.